{"id":534,"date":"2026-07-18T09:14:08","date_gmt":"2026-07-18T07:14:08","guid":{"rendered":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/?page_id=534"},"modified":"2026-07-20T08:41:15","modified_gmt":"2026-07-20T06:41:15","slug":"ruths-nacht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/?page_id=534","title":{"rendered":"Ruths Nacht"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong><a href=\"#ruth-leseprobe\">Leseprobe<\/a><\/strong><\/td><td><strong><a href=\"#ruths-nacht-entstehung\">Entstehungsgeschichte<\/a><\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"ruth-leseprobe\"><strong>Leseprobe<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Arthur aufwachte, lag er nicht mehr in seinem dunklen Bett.<br>Ein b\u00e4rtiges Gesicht hatte sich d\u00fcster \u00fcber ihn gebeugt und sah ihn mit pr\u00fcfendem Blick an.<br>\u00bbEndstation\u00ab, sagte der Busfahrer, als er sah, dass er halbwegs zu sich gekommen war. \u00bbAussteigen!\u00ab<br>\u00bbSie fahren nicht weiter?\u00ab<br>\u00bbNein\u00ab, brummte er, \u00bbFeierabend.\u00ab Dann ging er nach vorne, steckte grimmig seine Brotdose in die Aktentasche und begann, das eingenommene Geld zu z\u00e4hlen. Schlaftrunken und etwas verschwommen sah Arthur, wie eine M\u00fcnze zu Boden fiel und ein kurzes St\u00fcck auf ihn zu rollte.<br>Er stieg aus. Drau\u00dfen war es dunkle Nacht und es war kalt. Eine feuchte K\u00e4lte, die an den Knochen nagt. So sind die N\u00e4chte im November.<br>Der Bus fuhr ab. Arthur sah sich um: Eine Stra\u00dfe, ein paar Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende neben grauen Mietskasernen, der Vorort einer beliebigen Stadt im Novemberland.<br>Dunkelheit in fast allen Fenstern, gelegentlich eine schwach beleuchtete Toreinfahrt, dann endlich eine Uhr: viertel nach zwei.<br>Was um alles in der Welt sollte er hier?<br>Er ging los. Zum Gl\u00fcck hatte man an seinen Mantel gedacht, und so konnte er die H\u00e4nde in die Manteltaschen stecken. Feuchtkalter Nachtwind wehte ihm ins Gesicht. Hin und wieder musste er seinen Hut festhalten. Dieser Wind war das einzig Lebendige in dieser Nacht \u2013 ansonsten alles tot, wie ausgestorben. Keines der am hellen Tage \u00fcblichen Ger\u00e4usche der Stadt, daf\u00fcr das Klappern der vom Wind bewegten Gartenpforten. Todbringend.<br>Aber, wei\u00df Gott, das ficht ihn schon lange nicht mehr an, wahrscheinlich hatte er schon Schlimmeres erlebt.<br>Eine der Villen fiel ihm auf. Sie war \u00e4lter als die Nachbarh\u00e4user, einst wohl ein Herrensitz im Gr\u00fcnen, vor den Toren der Stadt erbaut, dann von der Bebauung eingeholt. Hinter ihr vermutete er einen Park mit einem Teich, auf dem ein Schwanenpaar durch die Nacht schwamm. Im ersten Stock war ein einziges Fenster noch erleuchtet.<br>Arthur blieb stehen und sah sich um: Kein Mensch, nichts. Selbst die Gartenpforten hatten ihr unseliges Geklapper aufgegeben \u2013 sinnloser Spuk f\u00fcr kleine M\u00e4dchen!<br>Da trat pl\u00f6tzlich eine Gestalt ans Fenster im zweiten Stock. Im ersten Augenblick glaubte er, es sei ein Riesenrabe. Es war November, sein Geburtsmonat, die beste Zeit f\u00fcr Riesenraben. Er kniff die Augen zusammen und sah genauer hin und erkannte die Umrisse einer jungen Frau. Sein Blick sch\u00e4rfte sich: Sie trug eine wei\u00dfe Hemdbluse, die oben am Hals eng mit einer dunklen Brosche abschloss. Ihr volles schwarzes Haar war auf dem Hinterkopf zu einem prallen Knoten gebunden, der von einer metallenen Haarnadel gehalten wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"ruths-nacht-entstehung\"><strong>Zur Entstehungsgeschichte:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In das Haus, in dem ich damals in L\u00fcneburg wohnte, zogen Ende Dezember 1979 neue Nachbarn ein. Uwe, so hie\u00df der neue Nachbar dort oben im Dachgeschoss, und seine recht h\u00fcbsche Freundin, deren Namen ich vergessen hat (ich wei\u00df nur noch, dass alle Welt sie \u00bbM\u00f6lcki\u00ab nannte) stellten sich<\/em> <em>nach ihrem Einzug bei uns vor. Uwe und ich sahen sich an und erkannten schon nach zwei, drei S\u00e4tzen, die wir miteinander gewechselt hatten, dass wir so etwas waren, was man damals \u00bbSeelenverwandte\u00ab genannt haben mochte. Uwe sah die B\u00fccher in meiner Wohnung, er h\u00f6rte die Musik, die ich gerade h\u00f6rte (wahrscheinlich Mahler), und es h\u00e4tte wohl nicht viel gefehlt, dass wir uns in den Armen gelegen h\u00e4tten. Eine Einladung zur Einzugs- und Silvesterparty folgte quasi auf dem Fu\u00dfe.<\/em><br><em>Bei der Silvesterparty im Dachgeschoss lernte ich auch Uwes Freund kennen, der Christoph hie\u00df, der aber von allen \u00bbBuddy\u00ab genannt wurde. In dieser legend\u00e4ren Nacht stellten wir drei fest, dass wir nicht nur Hermann Hesse lasen, sondern selbst auch Gedichte schrieben \u2013 ein bisschen so, wie alle damals, in diesem innerlichen Hesse-Stil. Bis zum Morgengrauen haben wir \u00fcber Hesse und unsere eigenen Texte gesprochen.<\/em><br><em>In diesem pl\u00f6tzlich aus heiterem Himmel entz\u00fcndeten literarischen Enthusiasmus ist \u00bbRuths Nacht\u00ab entstanden. <\/em><br><em>Als ich ihn nach Jahren in meinen Umzugskisten wiederfand, war ich \u00fcberrascht, dass nur ein paar geschicktere Formulierungen und ein paar hinzugenommene Reminiszenzen ausreichten, um aus dem unreifen und etwas holprig klingenden Text eines 25j\u00e4hrigen ein ganz passables Prosast\u00fcck zu machen<\/em>. <em>Eigentlich ist das mein erstes Prosast\u00fcck von einigerma\u00dfen hinl\u00e4nglicher Qualit\u00e4t.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\" style=\"font-size:14px\">Seite erstellt: 18.07.2026<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leseprobe Entstehungsgeschichte Leseprobe: Als Arthur aufwachte, lag er nicht mehr in seinem dunklen Bett.Ein b\u00e4rtiges Gesicht hatte sich d\u00fcster \u00fcber ihn gebeugt und sah ihn mit pr\u00fcfendem Blick an.\u00bbEndstation\u00ab, sagte der Busfahrer, als er sah, dass er halbwegs zu sich gekommen war. \u00bbAussteigen!\u00ab\u00bbSie fahren nicht weiter?\u00ab\u00bbNein\u00ab, brummte er, \u00bbFeierabend.\u00ab Dann ging er nach vorne, steckte &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/?page_id=534\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRuths Nacht\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-534","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=534"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":544,"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/534\/revisions\/544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/juergen-schlusnus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}